Das Marta Herford ist Preisträger des diesjährigen Tiemann-Preises! Der mit 50.000 Euro dotierte Preis zum Ankauf zeitgenössischer Malerei wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Mit dem Tiemann-Preis wird dem Museum Marta ein Ankauf von Werken von Kerstin Brätsch ermöglicht. In einer eigens zu diesem Anlass entwickelten Wandinstallation werden sie gemeinsam mit weiteren Werken ab jetzt im Marta Café präsentiert. Hier tritt die Arbeit in einen Dialog mit der ikonischen Gehry-Architektur – und ist zugleich einem breiten Publikum zugänglich. Die feierliche Verleihung des Tiemann-Preises findet am 15. 11. 2025 um 18.30 Uhr statt.
Kerstin Brätschs Werk positioniert sich in einer zeitgemäßen Debatte um Autorenschaft, Postdigitalität und Zugänglichkeit von Kunst. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von einer komplexen Befragung von Malerei. In ihren Werken löst sie traditionelle Hierarchien und Gattungsgrenzen auf, um das Medium Malerei systematisch zu analysieren und sich gleichzeitig malerischen Prozessen hinzugeben. Dabei transformiert sie ihre Werke in immer neuen Arbeitsprozessen. Die Einbindung digitaler Verfahren, traditioneller Handwerkstechniken und das Kollaborative spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Für den Tiemann-Preis ist eine ortsbezogene Installation im Marta Café mit seinen geschwungenen Wänden entstanden. Die Basis für die Installation bildet eine Tapete aus der Serie MƎTA Rorschach (2024). Die Tapeten basieren auf den kleinformatigen Ölmalereien der Serie MƎTA. Das Motiv wurde nach dem Rorschach-Prinzip gespiegelt und als Datei für den Tapetendruck zur Verfügung gestellt. Hierauf wurden insgesamt fünf Werke platziert: Zu sehen sind drei Papierarbeiten der Serie MƎTA, die in den für Kerstin Brätsch typischen Rahmungen weitere Ebenen von Malerei, Ornamentik, Rapport und Rythmik eröffnen. Die zwei reliefartigen Arbeiten aus der Serie Fossil Psychic_for Christa (Stucco Marmo) (2020) sind wie die Tapete Teil des Ankaufs durch den Tiemann-Preis.
Die Stucco Marmos, welche in Kollaboration mit dem Kunsthandwerker Walter Cipriani entstehen, beruhen auf der gleichnamigen italienischen Handwerkskunst des 17. Jhds. Zunächst wie digitale, dreidimensionale Pinselstriche anmutend, entstehen die Werke ausschließlich analog aus Gips, Pigment und Leim in einer aufwendigen Prozedur, die eine Optik von Marmor oder anderen Steinen imitiert. Das Bild des Steins als Träger von Zeit- und Umweltinformationen befragt somit auch die Flüchtigkeit und Manipulationsmöglichkeiten von digitalen Bildern. Für Brätsch gleicht die Entstehung alchemistischen Prozessen. Das Ergebnis zeigt Ähnlichkeiten zu Fossilien, mystischen Kreaturen oder spirituellen Verkörperungen.
Neben der Stiftung des Tiemann-Preises konnten drei weitere Arbeiten der Künstlerin für die Sammlung Marta angekauft werden, die ebenfalls in der Präsentation zu sehen sind. Zudem wird im kommenden Jahr im Rahmen des Marta-Preis 2026 für Kerstin Brätsch ein weiteres Werk in die Sammlung eingehen. Mit dem Ankauf der Werke von Kerstin Brätsch setzt die Sammlung Marta Herford ein markantes Zeichen für die strategische Erweiterung weiblicher künstlerischer Positionen und ihres interdisziplinären Profils.
Geprägt durch die Ausrichtung des Museums Marta Herford an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Design, liegt ein Fokus seiner Sammlung an der Verbindung von Kunst und Raum – nicht zuletzt beeinflusst durch die außergewöhnliche Architektur des Museums, entworfen von Frank Gehry. Die Aufnahme der Werkgruppe knüpft zudem an die thematische Ausstellung „Zwischen Pixel und Pigment – Hybride Malerei in postdigitalen Zeiten“ (Gemeinschaftsausstellung mit der Kunsthalle Bielefeld, 7. 7. – 10. 11. 2024) an, in der einige Werke der Künstlerin sowie auch ihre Zusammenarbeit in Form des Kollektivs KAYA (gemeinsam mit Debo Eilers) zu sehen waren. Mit dem besonderen Ort der Präsentation im Marta Café setzt die Künstlerin ihre Reihe von Café-Gestaltungen fort, die sie bereits für das MoMA New York oder die Luma Foundation in Arles realisiert hat. Aktuell sind künstlerisch gestaltete Räume der Begegnung mit dem Spielort für Kinder BAUBAU im Gropius Bau in Berlin sowie in dem von Kerstin Brätsch umgestalteten Foyer des Fridericianums in Kassel zu sehen.
Kerstin Brätsch (*1979 in Hamburg, lebt in Berlin und New York) zählt zu den prägenden Stimmen zeitgenössischer Malerei. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Bildtradition, Materialforschung und kollektiven Arbeitsformen. Brätsch studierte an der UdK Berlin als Meisterschülerin von Lothar Baumgarten und der Columbia University New York. Seit dem Wintersemester 2024/25 ist sie Professorin an der HFBK Hamburg. Brätsch arbeitet u.a. kollaborativ als Teil von DAS INSTITUT (mit Adele Röder, seit 2007) und KAYA (mit Debo Eilers, seit 2010). Ihre Werke waren u. a. im MoMA (New York), in der Serpentine Gallery (London), im Munchmuseet (Oslo), Museum Brandhorst (München), Ludwigforum (Aachen), in der Kunsthalle Zürich sowie auf zwei Venedig-Biennalen (2011, 2022) zu sehen und sind in internationalen Sammlungen vertreten.
Tiemann-Preis
Die im Jahr 2018 von Ingeborg Tiemann und Dr. H. Jürgen Tiemann gegründete gemeinnützige Stiftung (www.tiemann-stiftung.de) fördert ausgewählte Vorhaben in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung sowie Naturschutz, Denkmal- und Landschaftspflege durch wirtschaftliche Unterstützung, mit dem Ziel, langfristig im Sinne der Stifter positiv zu wirken. Zu den geförderten Projekten zählen unter anderem die Studienstiftung des deutschen Volkes im Bereich Bildung, die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten (Denkmalpflege) sowie die Baumschule für Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. (Naturschutz und Landschaftspflege).
Mit dem begehrten Tiemann-Preis für zeitgenössische Malerei wird nunmehr zum dritten Mal eine Kunstinstitution mit 50.000 Euro beim Ankauf von Kunstwerken für die eigene Sammlung unterstützt. Vorherige Auszeichnungen gingen an das Museum Folkwang Essen mit dem Ankauf einer Werkgruppe des Malers Armin Boehm (2023) sowie an das Kunstmuseum Magdeburg – Kloster Unser Lieben Frauen, dem der Ankauf von Malereien der Künstlerin Özlem Altın (2024) ermöglicht wurde.
Die Auswahl des Museums trifft eine renommierte Fachjury, die in diesem Jahr aus Christiane Mennicke-Schwarz (Leiterin des Kunsthauses Dresden, Kunsthistorikerin und Kuratorin), Prof. Dr. Annette Tietenberg (Professorin für Kunstwissenschaft, HBK Braunschweig), Moritz Wesseler (Direktor, Fridericianum Kassel), Prof. Dr. Wolfgang Ullrich (Kunsthistoriker und Autor, Leipzig/München) und Marcus Woeller (Redakteur und Autor, WELT, Berlin) bestand. Vorjahrespreisträger waren im Jahr 2024 das Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen mit Werken von Özlem Altin sowie das Folkwang Museum, Essen, mit Werken von Armin Boehm (2023).
Die Installation ist zu den Öffnungszeiten des Marta-Cafés zugänglich:
Mittwoch bis Freitag 11-18 Uhr,
jeden 1. Mittwoch im Monat bis 20 Uhr
Samstag und Sonntag 10-18 Uhr


