Presseinformation

Ingrid Wiener – Einfach machen und tun

Do 9. 10. 2025 um 11 Uhr

Mit Einfach machen und tun zeigt das Marta Herford eine museale Überblicksschau zum Werk der Österreicherin Ingrid Wiener (*1942 in Wien). Wieners künstlerisch-philosophisches Umfeld wird in ihren feinsinnigen Gobelins, Traumzeichnungen und den bisweilen humorvollen performativen Arbeiten ebenso verarbeitet wie grundsätzliche Themen des Lebens und der Wahrnehmung.

Geprägt von den frühen Aktionen der Wiener Gruppe in den 1950er Jahren, studierte Ingrid Wiener (damals Schuppan) gemeinsam mit ihrer Freundin, der heute als VALIE EXPORT (*1940) international bekannten Künstlerin, an der Textil-Fachhochschule. Erste gewebte Gemeinschaftsarbeiten der beiden Frauen für den Künstler Hundertwasser und Teppichwerke, basierend auf Vorlagen von Dieter Roth, entstanden geprägt durch den künstlerischen Austausch. Ingrid Wiener begreift schließlich die aufwendige Gobelinarbeit als Pendant zu Malerei und thematisiert das Weben selbst in ihren Gobelins, bei denen sie bewusst die vielen Fäden hinter dem Teppich sichtbar macht.

Inhaltlich sind es Motive des Alltags wie Kochrezepte, Stillleben aus ihrem Umfeld und in jüngster Zeit Röntgenbilder ihres Körpers, die sie als Vorlagen nutzt und in ihre typische Webtechnik des „Durch die Kette Sehens“, wie es Michaela Leutzendorff Pakesch beschreibt[1], überführt. Flecken, die sich auf den Papiervorlagen befinden oder Gegenstände, die im Raum vor ihr stehen, finden ebenso Einzug in die reichhaltigen Bilderzählungen wie geometrische Formen und fein ausgearbeitete Farbverläufe.

„Warum nicht einfach weben, was man hinter den Kettfäden sowieso sieht. Weg vom Entwurf und rein in die Dinge, die wir sehen“, so Ingrid Wiener selbst über ihren Arbeitsprozess.[2] 

Gemeinsam mit ihrem Partner, dem Schriftsteller und Kybernetiker Oswald Wiener (1935-2021) verließ Wiener Ende der 1960er Jahre ihre Heimat Wien. Grund dafür sind Aktionen im Kontext der Wiener Gruppe, bei denen auch sie selbst als Performerin aktiv war. Die beiden eröffneten im Berlin des Eisernen Vorhangs zwischen 1970 und 1984 einige bis heute berühmte Lokale, wie beispielsweise das legendäre Exil: Ingrid Wiener kochte und ihr Mann stand hinter der Bar und der ebenfalls in Wien geborene Künstler Michel Würthle (der später die berühmte Paris Bar eröffnete) bediente die Gäste. Auch während ihres Aufenthalts im kanadischen Dawson City, in der Goldgräbergegend Yukon, wurde ihr Restaurant Claims Café zu einem Ziel zahlreicher Künstler*innen und Intellektueller. Parallel zu ihrem Wohn- und Arbeitsort in Kanada lebte das Ehepaar in den 1990er Jahren in Köln und Krefeld und seit 2000 auch wieder in Österreich. Auch über die verschiedenen Stationen hinweg hat Wiener ihr Schaffen konsequent verfolgt, den Reisewebstuhl immer im Gepäck. Sie lebt und arbeitet heute in Kapfenstein (Steiermark).

Während ihres bewegten Lebens sind über 40 Gobelins, gut 350 Traumzeichnungen und einige Filme, Fotos sowie Gesangsprojekte entstanden. Rund 75, teils mehrteiligen Werke der Künstlerin aus den unterschiedlichen Schaffensbereichen sind in der Ausstellung im Marta Herford versammelt. Inhaltlich bilden die Arbeiten ein spannungsreiches Netzwerk, in dem Themen wie Kochen, Maschinentheorie, Philosophie und Freundschaft miteinander verwoben sind.

Gerade die Wahrnehmung des Umfeldes und Selbstbeobachtung sind wiederkehrende Methoden ihrer Auseinandersetzung. Der stetige Austausch mit Oswald Wiener, ebenso wie mit dem breiten Netzwerk der beiden spielt ebenso eine große Rolle für ihre Motivik. Ihre Praxis des künstlerischen Austauschs mit anderen ist zudem in exemplarischen Briefwechseln zwischen Ingrid Wiener und dem Medientheoretiker Nils Röller sowie mit dem Psychologen und Biomechaniker Ira Wool in der Ausstellung erlebbar.

Zwischen persönlichen Notizen und philosophischen Analysen wird die Verbindung von Kunst und Leben in Wieners Werk zu einem sinnlich poetischen Erlebnis, das durch feinsinnige formale Qualitäten besticht. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich durch eine vielschichtige, philosophische Erzählung zu bewegen, die von Authentizität und Humor geprägt ist. Ingrid Wiener ging es zeitlebens um die Gestaltung und das Miteinander. Dabei sind erstaunliche Kunstwerke entstanden, die mit der Ausstellung Einfach machen und tun nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit freundlicher Unterstützung
Österreichisches Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport

In Kooperation mit
Phileas – The Austrian Office for Contemporary Art


[1] Michaela Leutzendorff Pakesch, Singen, weben, kochen, filmen – Das Abenteuer zu sein, in: Dies. Durch die Kette sehen, hrsg. dies., Wien 2020, S. 13.

[2] Ingrid Wiener, Großer Teppich (Porträt Dieter Roth), gewebt 1981 bis 1984, [1986], in: Man darf auch weben was man nicht sieht. Die Teppiche von Dieter Roth und Ingrid Wiener, hrsg. Karin Schick, Kirchner Museum Davos, Davos 2007, S. 38

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Soziale Medien
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Ausstellungsinformation

Künstlerische Leitung
Kathleen Rahn (Kuratorin der Ausstellung, Direktorin Marta Herford)

Koordination
Friederike Korfmacher (Assistenzkuratorin)

Exponate
Ca. 75 Werke, darunter Gobelins, Zeichnungen, Fotografien, Film, Musik und Briefwechsel

Ausstellungsfläche
Lippold-Galerie: ca. 350 qm

Laufzeit
11. 10. 2025 – 22. 2. 2026

Ausstellungsort
Marta Herford, Goebenstraße 2–10, D-32052 Herford

Öffnungszeiten
Di–So und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr
am 24./ 25./ 31. 12. sowie Karfreitag geschlossen
am 26. 12. 11 bis 18 Uhr, Neujahr ab 13 Uhr geöffnet

Kontakt/Infos
www.marta-herford.de, info@marta-herford.de
Tel.: +49-5221-99 44 30-0, Fax: +49-5221-99 44 30-23

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Kontakt

Jana Mareike Lehnert
+49 (0)5221 994 430-27
presse@marta-herford.de

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Ausstellungen & Begleitprogramm

Allgemeine Presseinformation

Bildmaterial

Architektur Marta Herford

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Begleitprogramm

11.30 18.00
Veranstaltung

Begleitend zur Ausstellung Mindset Los Angeles wird jeden Sonntag ein ausgewähltes Filmprogramm bei freiem Eintritt im Marta-Forum präsentiert (an einzelnen Sonntagen an einem alternativen Ort).

 

1. Programmblock (28. 6.–27. 9. 2026)

11.30–12.18 Uhr: Gehry’s Vertigo (48 Min.)

12.30–13.25 Uhr: Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (55 Min.)

13.30–14.52 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

15–17.51 Uhr: Los Angeles Plays Itself  (171 Min.)

 

Der erste Teil des Filmprogramms versammelt vier Filme, die sich Frank Gehrys Architektur und ihrem Bezug zur Kunst aus unterschiedlichen Richtungen nähern. Darüber hinaus wird die Stadt Los Angeles in den Blick genommen. Gehry’s Vertigo zeigt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus der Perspektive der abgeseilt arbeitenden Reinigungskräfte und bringt  seine geschwungenen Flächen schwindelerregend nahe. Large Scale Projects zeigt Gehrys Zusammenarbeit mit dem Künstler*innenpaar Claes Oldenburg und Coosje  Van Bruggen, aus der Werke hervorgehen, die sich zwischen Skulptur, Objekt und Architektur bewegen.

In Sketches of Frank Gehry zeichnet Sydney Pollack ein persönliches Porträt und wendet sich dem Architekten selbst zu: seiner Person und seinem Arbeitsprozess, von der ersten raschen Skizze über Modelle bis zum fertigen Gebäude. Los Angeles Plays Itself richtet den Blick schließlich auf die Stadt und fragt, wie deren moderne Architektur im Kino gelesen und immer wieder umgedeutet wird. Das Programm verbindet so das einzelne Bauwerk, den Entwurfsprozess, die Nähe zur Kunst und die Stadt als Bild; jenes Los Angeles, aus dem Frank Gehry und die Cool School hervor­gingen und welches sie ihrerseits mitprägten.

 

11.30–12.18 Uhr:
Gehry’s Vertigo (Gehrys Höhenschwindel)
Regie: Ila Bêka & Louise Lemoine · 2011 · 48 Min. · Spanisch (engl. Untertitel) · Bêka & Lemoine

Der Film erschließt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus ungewohnter Perspek­tive: aus dem Blickwinkel der Reinigungskräfte, die den 1997 von Frank Gehry errich­te­ten Bau am Seil hängend reinigen und instand halten. Die Kamera folgt ihnen im Inneren des Museums wie auch außen; an der titanverkleide­ten Fassade und auf dem Dach ebenso wie im hohen, gläsernen Atrium. Die für Gehry charakteristischen geschwunge­nen, schräg geneigten Flächen machen die Arbeit in oft schwindel­erre­gen­der Höhe zur Herausforde­rung. Darauf spielt auch der Titel an: Vertigo bedeutet Schwindel. Ein Teil der Kameras ist an den Helmen der Arbeitenden befestigt, sodass man Dach und Atrium aus ihrer subjektiven Perspektive erlebt; die mitunter wacke­ligen Bilder verleihen dem Film eine unmittelbare, authentische Wirkung.

Auf eine erklärende Erzählstimme wird verzichtet; zu hören sind Äuße­run­gen der Arbeitenden selbst. Daneben beobachtet der Film das alltägliche Geschehen im Museum, etwa eine Hochzeitsgesellschaft beim Fotografieren, und begleitet einen Jungen, der die Räume durchstreift. So wird das Bauwerk von innen wie außen erfahrbar, durch die Augen derer, die ihm täglich am nächsten kommen.

 

12.30–13.25 Uhr:
Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (Großprojekte: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen)
Regie: Lana Jokel & Nicholas Doob · 1992 · 55 Min. · Englisch · Filmmakers Library / Alexander Street

Der Film porträtiert die künstlerische Zusammenarbeit von Claes Oldenburg (1929–2022) und Coosje Van Bruggen (1942–2009), die über drei Jahrzehnte hinweg gemein­sam monumentale Skulpturen für den öffentlichen Raum schufen. Die gebürtige Niederländerin Van Bruggen kam aus dem kuratorisch-kunsthistorischen Feld und war Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam; der in Schweden geborene Oldenburg war ein amerikani­scher Bildhauer, der sich mit Alltagsobjekten und der Konsumwelt auseinandersetzte und neben Andy Warhol zu den Ikonen der Pop Art zu zählen ist. Bekannt wurde er für die vergrößerte Darstellung alltäglicher Gegenstände ins Monumentale, wodurch vertraute Objekte zu raumgreifenden Formen verfremdet wurden.

Der Film begleitet mehrere ihrer Projekte von der ersten Idee bis zur Aufstellung, darunter Spoonbridge and Cherry (Löffel­brücke und Kirsche, 1988) in Minneapolis und Dropped Bowl with Scattered Slices and Peels (Heruntergefallene Schüssel mit ver­streuten Scheiben und Schalen, 1989) in Miami. Mehrfach arbeiteten die beiden mit dem Architekten Frank Gehry zusammen, woraus unter anderem das Knife Ship (Messerschiff) hervorging: ein überdimensio­nales Schweizer Taschenmesser, das zugleich ein fahrtüchtiges Schiff war. Für die Biennale in Venedig konzipiert, wurde es 1985 für die Performance Il Corso del Coltello realisiert. Im Film ist es im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.

Auch das Binocular Building (Fernglas-Gebäude, 1991) in Venice, Kalifornien, entstand in Zusammenarbeit mit Gehry. Dort ist die Skulptur unmittelbar in den Bau integriert: Ein monumentales Fernglas bildet den Eingang; zwischen seinen beiden Röhren fahren Autos wie durch ein Tor in die Tiefgarage. In den Röhren liegen Besprechungsräume; und was von außen die Okulare des Fernglases sind, wird hier von innen zum Oberlicht: zwei runde Öffnungen, durch die das Tageslicht herabfällt.

 

13.30–14.52 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunstkritiker   Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

15–17.51 Uhr:
Los Angeles Plays Itself (Los Angeles spielt sich selbst)
Regie: Thom Andersen · 2003 · 171 Min. · Englisch · The Cinema Guild

Los Angeles ist die Stadt, aus der Frank Gehry und die Cool School hervorgingen, geprägt von modernistischer Architektur, ihren Straßenräumen und ihrer spezifi­schen Atmosphäre. Dieser Essayfilm geht der Frage nach, wie eben diese Stadt im Kino bzw. im Film dargestellt wird. Dafür montierte Thom Andersen über 200 Ausschnitte aus bekannten und weniger bekannten Spielfilmen aus annähernd hundert Jahren Filmgeschichte.

Er ordnete sie drei Rollen zu, die Los Angeles im Film spielt, von der beiläufigsten bis zur tragenden: zunächst die der bloßen Kulisse, vor der die Handlung abläuft; dann als eigenständige Figur, die das Geschehen mitprägt; und schließlich die des eigentlichen Themas, von dem der Film selbst handelt. Andersen stellt die These auf, dass das von Hollywood entworfene Bild das tatsächliche Los Angeles überlagern würde. So legt er etwa offen, wie in Filmen die moderne Architektur der Stadt wiederkehrend zu „Villen von Bösewichten“ umgedeutet werden, wie ganze Stadtviertel hinter dieser Projektion verschwinden, wie Los Angeles als Schauplatz für gänzlich andere Orte dient und wie die berüchtigten Auto-Verfolgungsjagden ein verzerrtes Bild zeichnen.

Den Kommentar verfasst Andersen selbst, in der Ich-Form; gesprochen wird er von seinem Freund Encke King. 2003 erhält der Film beim Filmfestival im kanadischen Vancouver den Preis für den besten Dokumentarfilm.

 

2. Programmblock ( 4.10. 2026–10. 1. 2027)

12–13.22 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

13.30–13.57 Uhr: Edward Kienholz: The Story of an Artist (27 Min.) 

14–14.58 Uhr: Frank Gehry: The Formative Years (58 Min.)

15–15.57 Uhr: Artbound: Light & Space (57 Min.)

 

Der zweite Teil des Filmprogramms rückt das Umfeld, aus dem Gehry kam, weiter in den Blick: die Kunstszene von Los Angeles und die sogenannte Cool School. Sketches of Frank Gehry ist auch bei dieser Auswahl der Dreh- und Angelpunkt und zeichnet den Architekten als ausgesprochen selbstkritische Figur, die sich der Welt der Kunst oft näher fühlte als dem eigenen Berufsstand. Ed Kienholz: Story of an Artist führt zum Ausgangspunkt dieser Szene, zur Ferus Gallery, die Kienholz 1957 mitbegründete und die zum Treffpunkt der Cool School wurde.

Frank Gehry: The Formative Years zeigt, wie eng Gehry mit Künstler*innen dieser Szene verbunden war, und erinnert daran, dass er für sein Wohnhaus in Santa Monica gerade jene alltäglichen Industrie­materia­lien verwendete, die damals als architektur­unwürdig galten. Light and Space stellt schließlich die kalifornische Kunstrichtung um Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian vor, die durch die Erforschung von unkonventionellen Materialien und dem kalifornischen Licht die Sinneserfahrung selbst zum Thema machte. Ihre Werke berühren Fragen, die auch für Gehrys Schaffen von Bedeutung sind.

So öffnet die Auswahl eine bestimmte Perspektive: Gehrys Architektur erscheint als eigenständige Größe des Bauens, eng verwoben mit einer Szene, die Wahrnehmung erprobte, Disziplingrenzen überschritt und das vermeintlich Geringe zum Material erhob.

 

12–13.22 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche weitere Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunst­kritiker Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

13.30–13.57 Uhr:
Ed Kienholz: Story of an Artist (Ed Kienholz: Geschichte eines Künstlers)
Regie: William Kronick · 1961 · 27 Min. · Englisch · Wolper Productions (Warner Bros. / Filmbank)

Der Film begleitet den jungen Ed Kienholz (1927–1994) dabei, wie er seine erste Einzel­aus­stellung in der Ferus Gallery in Los Angeles vorbereitete. Diese von ihm und Walter Hopps 1957 gegründete Galerie wurde zum zentralen Treffpunkt und Ort des Austausches der lokalen Künstler*innenszene, der sogenannten Cool School. Kienholz galt als umstrittener Künstler; er verhandelte gesellschaftliche Tabus und Missstände in damals als drastisch empfundenen Bildern. Er ist ein wichtiger Vertreter der Assemblage, einer Technik, bei der Werke aus Alltagsdingen und Fundstücken zusammengesetzt werden. Der Film zeigt vor allem Kienholz bei der Arbeit und mündet schließlich in die dicht gedrängte Eröffnung und die nachfolgende ausgelassene Feier in der Bar Barney’s Beanery. Diese war ebenfalls ein wichtiger Treffpunkt von Künstler*innen und Musiker*innen. Kienholz bildete die Bar später in seiner berühmten begehbaren Skulptur The Beanery (1965) nach.

Entstanden ist der Film 1961 in Los Angeles unter der Regie von William Kronick, als Fernsehproduktion für David L. Wolper, mit einer Titelmusik von Elmer Bernstein; durch die Sendung führt John Willis.

 

 14–14.58 Uhr:
Frank Gehry: The Formative Years (Frank Gehry: Die prägenden Jahre)
Regie: Michael Blackwood · 1988 · 58 Min. · Englisch · Michael Blackwood Productions

Der Film widmet sich den frühen Jahren Frank Gehrys in Los Angeles, kommentiert vom Architekten selbst. Im Zentrum steht sein eigenes Wohnhaus in Santa Monica: ein zunächst gewöhnliches Haus im holländisch-kolonialen Stil aus den 1920er-Jahren. Gehry erweiterte dieses 1978, indem er es mit alltäglichen Industriematerialien um­mantelte, mit Maschendraht, Wellblech und Sperrholz. Solche Materialien galten damals als minderwertig und nicht als architekturwürdige Baustoffe. Mit diesem Umbau setzt Gehry diese gerade deshalb und in völlig neuer Weise ein. Das Haus sorgt so für Aufsehen: bei den Nachbarn für Empörung, in der Fachwelt für Beachtung, die Gehrys Ruf begründet.

Der Film zeigt zudem weitere frühe Bauten im Großraum Los Angeles, das Norton House, die Loyola Law School und das Aerospace Museum, und damit Gehrys Weg vom privaten Wohnhaus zum großen öffentlichen Gebäude. Zu Wort kommen Künstler aus seinem Umfeld in Los Angeles: Billy Al Bengston, Ron Davis und Ed Moses, die Architekturhistoriker Kenneth Frampton und Kurt Forster, sein Psychoanalytiker Milton Wexler sowie seine Mutter Thelma Gehry.

 

15–15.57 Uhr:
Artbound: Light and Space (Richtung Kunst: Licht und Raum)
Regie: Sue Ding · 2020 · 57 Min. · Englisch · KCET / PBS SoCal (Artbound)

Im Mittelpunkt steht die Light and Space-Bewegung, eine in den 1960er-Jahren an der US-amerikanischen Westküste entstandene Kunstrichtung. Sie gilt als kalifornische Spielart des Minimalismus und ist eng mit dem hellen, beständigen Licht in Los Angeles verbunden. Der Film stellt drei zentrale Figuren der Bewegung vor: Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian, deren Werk die Kunsthistorikerin und Kuratorin Robin Clark bespricht. Sie arbeiteten mit künstlichem wie ebenso mit natürlichem Licht, das sich im Tagesverlauf verändert. Es wurde als bedeutender Bestandteil der Werke gesehen. Ihre Materialien stammten zum Teil aus der nach dem Zweiten Weltkrieg florierenden Auto- und Luftfahrtindustrie. Im Kern sind diese Arbeiten phänomenologische Untersuchungen; das Objekt ist dabei ein Vehikel, das den Akt des Sehens selbst erfahrbar macht.

Die von Sue Ding gedrehte Folge eröffnete 2020 die elfte Staffel der Reihe Artbound und wurde mit einem Los Angeles Area Emmy ausgezeichnet.

  

Programm + Texte: Marcus Herse, Künstler, Kurator und Wissenschaftler

12.00 18.00
Marta HOCH 2

An einer Kreativstation findet das bunte Wohnzimmer statt. Alle Interessierten können hier gebrauchte Einrichtungsgegenstände neu gestalten.
Ob kleiner Hocker, Bilderrahmen, Lampenschirm oder Deko-Objekt: Mit bunter Farbe, Mustern und Fantasie verwandeln wir einfache Dinge in etwas Einzigartiges.
Es braucht keine Vorkenntnisse. Anschließend werden die entstandenen Dinge im Marta HOCH 2 präsentiert. Nach einer feierlichen Finissage am 14. August können alle ihre selbst gestalteten Kunstwerke mit nach Hause nehmen.

 

Ort
Linnenbauerplatz

Anmeldung
ohne Anmeldung, Teilnahme frei, jede*r ist willkommen

Alle Informationen zu Marta HOCH 2 hier.

14.00 16.30
Workshop

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat bietet das Marta Herford ein offenes Mitmach-Angebot für Familien an.

Ob vor, nach oder während eines Ausstellungsbesuchs: Das offene Atelier in der Marta-Lobby lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, gemeinsam aktiv zu werden und verschiedene künstlerische Sprachen kennenzulernen.

Die Termine am 1. 3. und 19. 4. widmen sich dem Thema kreativ Natur entdecken.

 

Dauer
14 bis 16.30 Uhr

Ort
Marta-Lobby

Kosten
kostenfrei

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

14.00 15.00
Führung

An der Seite einer*s Kunstvermittler*in erleben Sie die einzigartige Gehry-Architektur des Museums. Während des einstündigen Rundgangs bekommen Sie Informationen rund um das Marta als Bauwerk und haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

15.00 16.00
Führung

In einer einstündigen Führung mit unseren freien Kunstvermittler*innen durch die aktuellen Ausstellungen bekommen Sie Informationen zu den ausstellenden Künstler*innen und ihren Werken und haben die Möglichkeit, Fragen an die Kunst zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung

Ausstellungen