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26. 4. 2026 , 16.00 17.00

„Ausgraben, Ordnen, Umwerten: Lois Weinbergers poetische Arbeitsweise“ – Vortrag von Brigitte A. Egger

Im Rahmen der Ausstellung Kartographien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger ist Brigitte A. Egger mit einem Bildvortrag über den Tiroler Künstler Lois Weinberger (1947–2020) eingeladen. Ihr Vortrag widmet sich der poetisch-künstlerischen Arbeitsweise Weinbergers, die sich jenseits stabiler Ordnungssysteme bewegt und im scheinbar Marginalen ein eigenes Erkenntnispotenzial freilegt. Im Fokus der Betrachtung steht seine mehrjährige Arbeit Debris Field (2010–2016), die als eine Form der häuslichen Archäologie gelesen werden kann: eine Ausgrabung in den sedimentierten Zeitschichten eines Bauernhauses, in dem sich Geschichte nicht linear, sondern als Überlagerung von Praktiken, Objekten und Spuren zeigt.

Weinberger versteht das Archivieren nicht als Praxis, die sich über Vollständigkeit definiert, sondern über ihre Lücken, Reste und Nebensächlichkeiten. Gefundene Objekte, apotropäische Relikte, Tiermumien, Fragmente von Text und Material treten bei ihm in lose, assoziative Ordnungen ein. In diesen Montagen entsteht ein Alltags-Surrealismus, der das Nachleben der Dinge sichtbar macht und etablierte Hierarchien zwischen Bedeutendem und Unbedeutendem unterläuft.

Der Vortrag verfolgt diese Denkbewegung als eine Praxis des Grabens, Sammelns und Umwertens, die an Konzepte von Aby Warburg und Georges Didi-Huberman ebenso anschließt wie an Walter Benjamins Überlegungen zu Geschichte, Aura und Montage. Weinbergers Arbeiten öffnen einen wunderkammerartigen Raum des Staunens, in dem Ordnung stets provisorisch bleibt und Wissen aus dem Dazwischen hervorgeht. Debris Field wird so zum exemplarischen Feld, auf dem sich zeigt, wie Weinberger mit Vorgefundenem neue Bezüge, Denkweisen und poetische Erkenntnisformen erzeugt – jenseits etablierter Klassifikationssysteme und linearer Geschichtsschreibung.

Brigitte A. Egger (* 1993 in Innsbruck) arbeitet als freie Kuratorin, Kulturjournalistin und Lektorin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Innsbruck und promoviert derzeit im Bereich Ästhetik und Kunstphilosophie unter der Betreuung von Andreas Oberprantacher und Robert Fleck. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der künstlerischen Arbeitsweise von Lois Weinberger. Sie ist Mitglied des Doktoratskollegs Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung an der Universität Innsbruck. Zudem ist sie Projektleiterin des komplex–KULTURMAGAZIN und arbeitet für Franziska Weinberger am Werkverzeichnis und Nachlass von Lois Weinberger.

 

Info

Veranstaltung im Marta-Forum

Ticket

im Ausstellungseintritt enthalten oder 5 Euro / erm. 3 Euro, erhältlich an der Museumskasse oder online

 

 

 

Begleitprogramm

Heute findet kein Begleitprogramm statt.

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