Kartografien des Wachstums

Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger

7. 2.

7. 6. 2026

Lois Weinberger, Debris Field, 2010-2016, Installationsansicht, (c) Studio Lois Weinberger und Galerie Krinzinger, Wien, Foto: Mathias Voelzke
Lois Weinberger, Debris Field, 2010-2016, Installationsansicht, (c) Studio Lois Weinberger und Galerie Krinzinger, Wien, Foto: Mathias Voelzke

In der einzigartigen Architektur der Gehry-Galerien treten Werke des visionären Pioniers Lois Weinberger (*1947 in Stams, † 2020 in Wien) und der zeitgenössischen Bildhauerin Katinka Bock (*1976 in Frankfurt, lebt in Paris) in einen künstlerischen Dialog. Dieser widmet sich Prozessen, die sowohl in Natur und Material als auch in Architekturen und Raum angelegt sind. Während sich Weinberger in seinem Werk so genannten „Ruderalpflanzen“, vermeintlichen Unkräutern, sowie Kartografien und archäologischen Spuren verschrieb, fokussiert Katinka Bock mit ihren Arbeiten physikalische Veränderungen von Materialien, die sie in poetische Installationen überführt. Beide Künstler*innen verbindet die Beschäftigung mit natürlichen Vorgängen, die künstlerisch genutzt werden. Die für die Ausstellung gewählten und zum Teil neu entstandenen Werke reagieren auf die Museumsarchitektur und wachsen buchstäblich über diese hinaus in den Außenraum rund um das Marta.

Begleitprogramm

So, 26. 4. 2026, 16–17 Uhr
Veranstaltung

Im Rahmen der Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger ist Brigitte A. Egger mit einem Bildvortrag über den Tiroler Künstler Lois Weinberger (1947–2020) eingeladen. Ihr Vortrag widmet sich der poetisch-künstlerischen Arbeitsweise Weinbergers, die sich jenseits stabiler Ordnungssysteme bewegt und im scheinbar Marginalen ein eigenes Erkenntnispotenzial freilegt. Im Fokus der Betrachtung steht seine mehrjährige Arbeit Debris Field (2010–2016), die als eine Form der häuslichen Archäologie gelesen werden kann: eine Ausgrabung in den sedimentierten Zeitschichten eines Bauernhauses, in dem sich Geschichte nicht linear, sondern als Überlagerung von Praktiken, Objekten und Spuren zeigt.

Weinberger versteht das Archivieren nicht als Praxis, die sich über Vollständigkeit definiert, sondern über ihre Lücken, Reste und Nebensächlichkeiten. Gefundene Objekte, apotropäische Relikte, Tiermumien, Fragmente von Text und Material treten bei ihm in lose, assoziative Ordnungen ein. In diesen Montagen entsteht ein Alltags-Surrealismus, der das Nachleben der Dinge sichtbar macht und etablierte Hierarchien zwischen Bedeutendem und Unbedeutendem unterläuft.

Der Vortrag verfolgt diese Denkbewegung als eine Praxis des Grabens, Sammelns und Umwertens, die an Konzepte von Aby Warburg und Georges Didi-Huberman ebenso anschließt wie an Walter Benjamins Überlegungen zu Geschichte, Aura und Montage. Weinbergers Arbeiten öffnen einen wunderkammerartigen Raum des Staunens, in dem Ordnung stets provisorisch bleibt und Wissen aus dem Dazwischen hervorgeht. Debris Field wird so zum exemplarischen Feld, auf dem sich zeigt, wie Weinberger mit Vorgefundenem neue Bezüge, Denkweisen und poetische Erkenntnisformen erzeugt – jenseits etablierter Klassifikationssysteme und linearer Geschichtsschreibung.

Brigitte A. Egger (* 1993 in Innsbruck) arbeitet als freie Kuratorin, Kulturjournalistin und Lektorin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Innsbruck und promoviert derzeit im Bereich Ästhetik und Kunstphilosophie unter der Betreuung von Andreas Oberprantacher und Robert Fleck. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der künstlerischen Arbeitsweise von Lois Weinberger. Sie ist Mitglied des Doktoratskollegs Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung an der Universität Innsbruck. Zudem ist sie Projektleiterin des komplex–KULTURMAGAZIN und arbeitet für Franziska Weinberger am Werkverzeichnis und Nachlass von Lois Weinberger.

 

Info

Veranstaltung im Marta-Forum

Ticket

im Ausstellungseintritt enthalten oder 5 Euro / erm. 3 Euro, erhältlich an der Museumskasse oder online

 

 

 

Fr, 6. 2. 2026, 16:30–18 Uhr
Veranstaltung

Kindervernissage Spurensuche
Atelierworkshop für Kinder von 6 bis 12 Jahren
mit anschließender Kurzführung für Familien

Gemeinsam gestalten Kinder im Marta-Atelier kleine Kunstwerke mit Naturmaterialien. Im Anschluss werden die Ergebnisse in einer kleinen Präsentation gezeigt. Abschließend lädt eine kurze Familienführung durch die Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger zum gemeinsamen Entdecken ein. Die Werke der jungen Künstler*innen sind nach der Kindervernissage bis Ende Februar im Marta-Atelier zu sehen.

Anmeldung unter bildung@marta-herford.de
Die Teilnahme ist kostenlos.

 

Mi, 25. 2. 2026, 19–20:45 Uhr
Veranstaltung

Ein Film von Markus Heltschl, Österreich 2025, OmdU, 96 Min.

Begleitend zur Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger wird der Film Lois Weinberger – Ruderal Society (Regie: Markus Heltschl) an zwei Terminen in kompletter Länge gezeigt. Der Film ist in Teilen auch durchgehend in der Ausstellung zu sehen.

Als langjähriger Wegbegleiter und Kollaborateur des Künstlers wirft Heltschl einen vielschichtigen uns reflektierenden Blick auf Leben und Werk von Lois Weinberger und fängt wichtige Stimmen aus seinem Umfeld ein.

„Ein Garten unterscheidet sich gar nicht so sehr vom Ideal einer Gesellschaft, die niemanden ausschließt. Das ist zumindest das Prinzip der „Ruderal Society“, die Lois Weinberger (1947–2020) erfunden hat.

Empathisch porträtiert Heltschl diesen Pionier einer revolutionären Kunstauffassung, der an der Schnittstelle zwischen menschlichem und botanischem Raum operierte. Seine poetisch-philosophische Feldarbeit sprengte die Kategorien und war zukunftsweisend. Aus den Zeugnissen kluger Weggefährten und in angemessener formaler Freiheit entsteht das Bild eines politisch wachen Künstlers, der einmal sagte, die Essenz seiner Arbeit wäre ein Blumentopf, den er irgendwo vergisst.“ (Gerhard Midding)

Markus Heltschl (geb. in Innsbruck, AT, lebt in München, DE) ist Filmmacher, Autor, Fotograf und Kurator. Er studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in Wien. Zu seinem Filmwerk gehören Dokumentationen wie Das Bauhaus und der Film (2018/2020), Das bedrohte Paradies – Der Fotograf Heinrich Kühn (2023/15) oder der Spielfilm Der gläserne Blick (2003). Seine Werke wurden auf Filmfestivals wie der Viennale in Wien, in Cannes oder São Paulo sowie in Ausstellungen, etwa in der Neuen Nationalgalerie Berlin (2021/22) oder dem Ludwig Forum Aachen (1999) gezeigt.

Zusätzlich wird die Filmdokumentation am Internationalen Museumstag am 17. Mai im Marta gezeigt.

 

Info

Veranstaltung im Marta-Forum

Ticket

5 Euro, erm. 3 Euro oder im Ausstellungseintritt enthalten

 

 

Fr, 6. 2. 2026, 19–22 Uhr
Veranstaltung

Wir laden Sie und Ihre Freund*innen herzlich zur Eröffnung der Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger in den Gehry-Galerien ein.

Um 19.00 Uhr finden die Eröffnungsreden im Marta-Forum statt.

Es begrüßt Sie Anke Theisen, Bürgermeisterin der Hansestadt Herford. Anschließend gibt Kathleen Rahn, Direktorin des Marta Herford, eine Einführung in die Ausstellung.

Die Marta-Kunstsprecher*innen stehen von 18 – 21 Uhr in den Ausstellungen für Ihre Fragen oder Gespräche über die Kunst bereit.

Das Marta Café ist geöffnet und bietet ein leckeres Angebot an Speisen und Getränken.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Eintritt

Der Eintritt ist von 18 bis 22 Uhr frei!

Die Ausstellung ist ab 18 Uhr für Besucher*innen geöffnet.

 

So, 7. 6. 2026, 14–15 Uhr
Führung

Zur Finissage der Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger richtet die Marta-Direktorin Kathleen Rahn einen persönlichen Blick auf die endende Ausstellung. Die Teilnehmer*innen erfahren in diesem Rundgang Hintergrundinformationen über die Schau sowie einzelne Werke und Themen.

 

Ticket

3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

erhältlich an der Museumskasse oder online

So, 22. 3. 2026, 16–17 Uhr
Veranstaltung

Der Kunstkritiker, Ausstellungsmacher und Autor Prof. Dr. Robert Fleck spricht in seinem Bildvortrag über den österreichischen Künstler Lois Weinberger (1947–2020) und sein vielgestaltiges Schaffen. Die Veranstaltung findet begleitend zur Marta-Ausstellung Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger statt.

Robert Fleck (*1957 in Wien, lebt seit 1980 in Frankreich) ist freier Kunstkritiker, Ausstellungsmacher und Publizist. Er studierte an den Universitäten Wien, Innsbruck und Paris (bei Gilles Deleuze und Michel Foucault). Von 2004 bis 2008 war er Direktor der Deichtorhallen Hamburg und von 2009 bis 2012 Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn; von 2012 bis 2015 folgte die Professor für Kunst und Öffentlichkeit an der Kunstakademie Düsseldorf, deren Prorektor er von 2013 bis 2023 war. Fleck ist Autor von 40 Büchern zur Kunst, Politik und Geschichte. Zu seinen letzten Veröffentlichungen zählen: Kunst und Ökologie, Wien 2023; Mack – en face, München/Chicago 2025. Mehr Information: https://robert-fleck.com/

 

Info

Veranstaltung im Marta-Forum

Ticket

im Ausstellungseintritt enthalten oder 5 Euro / erm. 3 Euro

erhältlich an der Museumskasse oder online

 

 

Dank

Für die langfristige Unterstützung unseres Programms danken wir sehr herzlich den Marta Herford Corporate Partnern und Corporate Premium Partnern sowie dem Marta-Fonds für neue Kunst.

Gefördert durch

Begleitprogramm

Heute findet kein Begleitprogramm statt.

Ausstellungen