Marta Herford

Die Architektur von Frank Gehry

 
Im ostwestfälischen Herford steht einer der ungewöhnlichsten Museumsbauten weltweit. Mit seinen fließenden und gleichsam kippenden Formen scheint das Marta Herford wie ein geheimnisvoller Komet in der Umgebung gelandet zu sein. Für die Museumsfassade wählte der amerikanische Star-Architekt Frank Gehry dunkelrote Backsteine, die im Kontrast stehen zu dem hellen Dach aus Edelstahl. Ganz im Gegensatz zur gewohnten Verwendung bei historischen Industrie-Gebäuden in der Region werden die Steine hier jedoch überraschend in Schwingung versetzt.

Die Bewegung setzt sich im losen Verbund der Steine auf dem Boden fort und auch die wogende Dachlandschaft pulsiert im Einklang mit dem angrenzenden Flusslauf der Aa und parallel zur Goebenstraße. Im Innern des Museums setzt sich dies fort: Mit der bewegten Raumskulptur, ihrer tänzerischen Choreographie der Bauvolumen und den wirbelnden Formen, wird jede Ausstellung zu einem besonderen Raumerlebnis.

Eine ganz andere Architekturwelt aus geraden Linien und rechten Winkeln eröffnet sich dem Besucher in der Lobby. Dieser Gebäudeteil liegt in der ehemaligen Textilfabrik der Firma Ahlers, die 1959 von dem Architekten Walter Lippold errichtet wurde. Gehry ließ dieses ursprüngliche Gebäude in seiner Grundstruktur weitestgehend unverändert. In der ersten Etage des Bestandsbaus befindet sich die Lippold-Galerie, die mehrmals im Jahr besonderen Präsentationen im kleineren Format Platz bietet.

Neben den Galerien umfasst der Gehry-Bau außerdem das lichtdurchflutete Marta Café mit Außenterasse am Wasser, den Museums-Shop und ein Veranstaltungsforum sowie Seminarräume und Büros auf den oberen Etagen. Dort befinden sich auch die Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen, das TÜV Rheinland LGA Möbelprüfinstitut sowie Repräsentanzen der Fachhochschule Bielefeld und der Hochschule Ostwestfalen.

Mit der Eröffnung im Mai 2005 setzte die Stadt Herford auch ein eindeutiges Signal für eine zukunftsorientierte Entwicklung des Bahnhofsviertels. Die Skulpturen rund um das Marta Gelände zählen zu den wichtigsten Werken der Kunst in der Stadt. In den letzten Jahren hat das Museum auch durch seine schrittweise Erweiterung dazu beigetragen, dass die Besucher das Marta als einen lebendigen Treffpunkt erleben. So bietet das Marta Atelier in der Gründerzeit-Villa eine ideale Atmosphäre für das vielfältige Workshop-Programm der Museumspädagogik. Und mit dem idyllischen Garten am Marta Depot, gestaltet von dem renommierten „atelier le balto“, lädt das Museum jederzeit zu einem spontanen Aufenthalt mit Blick auf den Fluss ein.

Gerade diese Überraschungsmomente sind lebendiger Bestandteil unseres Museums, in denen sich auch das Ideal des Architekten Frank Gehry spiegelt: ein Gebäude, das stets in Bewegung bleibt und sich auch nach seiner Fertigstellung noch verändern kann.

Bildergalerie
Projektdaten
Bauherr: MKK GmbH (heute: Marta Herford gGmbH)
Architekt: Frank Gehry, Gehry Partners LLP in Kooperation mit Hartwig Rullkötter (assoziierter Architekt), Archimedes GmbH
Planung: 1998–2001
Ausführung: 2001–2005
Eröffnung: 7. Mai 2005
Grundstücksfläche: 8.100 qm
Bebaute Fläche: 3.200 qm
Geschossfläche: 7.000 qm
Nutzfläche: 6.000 qm
Verkehrsfläche: 400 qm
Ausstellungsfläche: 2.500 qm
Baukosten: ca. 31 Mio. Euro
Umbauter Raum: 37.900 m3
Materialien
Edelstahl: ca. 5.000 qm
Klinkerwände: 3.120 qm (ca. 180.000 Klinkersteine)
Gipskarton für Innenausbau: 6.050 qm
Rüttelstoppsäulen: ca. 4.000 m
Stahl: ca.400 t
Baustahl: 280 t
Stahlbeton: ca. 500 m3

 

Die Route “Museum & Architektur”

Sechs Museen, fünf Architekten, eine Achse: Das ist die Idee, die der Kooperation „Museum & Architektur“ zugrunde liegt. Das Marta ist eines der sechs Museen zwischen Berlin und Osnabrück, die sich zu einer Kooperation unter dem Aspekt der besonderen Architektur ihrer Museumsbauten zusammengefunden haben.
Wie das Marta, so haben auch das Jüdische Museum und das Deutsche Historische Museum in Berlin, das phaeno in Wolfsburg, das Felix Nussbaum Haus in Osnabrück und die Kunsthalle Bielefeld eines gemeinsam: Die Bauten wurden von weltbekannten Architekten entworfen.

Frank Gehry, Daniel Libeskind, Philip Johnson, Zaha Hadid und Ieoh Ming Pei stehen dafür, dass diese sechs Museen weit mehr sind als bloße Ausstellungshallen und Depots für Sammlungen. Als außergewöhnliche Orte für Kunst, Geschichte, Wissenschaft zählen sie auch zu den wichtigen Architektur-Highlights der Gegenwart.
Die Broschüre „Museum & Architektur“ ist in den beteiligten Museen kostenlos erhältlich. Wer sie mit mindestens einem Stempel von einem der sechs Museen in den anderen Häusern vorlegt, erhält für sich und seine Begleitung Eintrittskarten zum ermäßigten Preis.

 

Video: Frank Gehry - Architektur als Vision, seine Bauten in Europa

 

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